Der Hauberg – 
Grundlage der Eisenwirtschaft

Haubergslandschaft im Siegerland mit Niederwald

Holzkohle war eines der knappsten Güter im Wirtschaftskreislauf des Siegerlands. Die Eisenhütten benötigten große Mengen davon, sodass nahezu alle geeigneten Flächen als Haubergswald genutzt wurden. Dauerhafte Ackerflächen konnte man sich kaum leisten.

 

Eichen, Birken und zum Teil Buchen wurden deshalb in regelmäßigem Turnus geschlagen und trieben anschließend wieder aus ihren Wurzelstöcken aus. Die Waldflächen waren meist in 16 oder 18 Schläge gegliedert, von denen jedes Jahr einer genutzt wurde. Ein großer Teil des Holzes wurde zu Holzkohle verarbeitet, anderes diente als Gruben- oder Brennholz.

 

Erst nach dem Holzschlag nutzte man die vorübergehend freien Flächen für kurze Zeit zum Getreideanbau. So verband der Hauberg Waldwirtschaft, Rohstoffgewinnung und Landwirtschaft auf engstem Raum – und wurde zu einer wesentlichen Grundlage des täglichen Lebens und der Eisenproduktion.

Das Haubergsjahr


Die Arbeit im Hauberg folgte einem festen Jahresrhythmus. Weil viele Männer zugleich im Bergwerk oder auf der Hütte arbeiteten, mussten Frauen, Kinder und ältere Familienmitglieder mithelfen. Von der Verlosung der Waldstücke über Holzschlag, Lohschälen und Bodenbearbeitung bis zu Aussaat und Ernte hatte fast jeder Monat seine eigenen Aufgaben.

  • Im Februar wurden die Schläge in Jähne aufgeteilt und verlost. Jede Familie markierte ihren „Jahn“ mit ihrem Haubergszeichen.
     
  • Im März wurde der Hauberg „geräumt“. Bis auf die Eichenstangen wurde alles Holz geschlagen. Die gesamte Wachstumsperiode des Jahres sollte den frischen Trieben, die aus den „Stöcken“ wuchsen, zur Verfügung stehen.
     
  • Im April wurde das Astwerk zu „Schanzen“ verarbeitet, wichtiges Brennmaterial für den Haushalt und den Backes. Aus Schanzen wurden auch Reisigbesen gebunden.
     
  • Im Mai war der Saft in den Eichenstangen aufgestiegen, die Rinde der Eichen konnte geschält und am Stamm getrocknet werden. Die getrocknete Rinde (Lohe) wurde in großen Bunden zu den Gerbereien in die Stadt gefahren
  • Im Juni wurden die verbliebenen Eichenstangen gehauen und der Waldboden mit einem einfachen Hakenpflug aufgerissen.
     
  • Im Juli wurden mit Hacke und Harke der Boden vom Gras befreit und die so entstandenen „Brasen“ (Gras mit Wurzeln) von der Erde befreit, getrocknet und zu Haufen zusammen-geharkt. Die „Brasen“ wurden dann verbrannt.
     
  • Im August wurde das Korn (Roggen), das im vorjährigen Schlag gesät worden war, mit der Sichel geerntet und zu Kornrittern gebunden. Dabei musste sehr vorsichtig gearbeitet werden, um die jung ausgeschlagenen Bäume nicht zu beschädigen.
     
  • Im September wurde der diesjährige Schlag nochmals gepflügt und dann das Korn gesät.
     
  • Von Oktober bis Januar wurde im Hauberg nicht gearbeitet, die Zeit wurde für innere Verwaltung und Rechnungslegung genutzt.

Das Haubergsjahr in Bildern

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